Grundlegendes

Bewegung ist die Veränderung der Position eines Körpers im Raum. Dabei vergeht Zeit, und der Körper befindet sich während dieses Vorgangs auf einer bestimmten Bahn. Handelt es sich um eine Kreisbahn, spricht man von einer Drehbewegung. Sie nimmt in unserer mechanisierten Welt vermutlich die wichtigste Stellung ein. Ähnlich, wie beim Verbrennungsmotor oder der Dampfmaschine die Bewegung des Kolbens über das Pleuel in eine Drehbewegung umgesetzt wird, besteht das Ziel beim Gravitationsantrieb darin, die nach unten gerichteten Kräfte der Erdanziehung zur Drehung eines Rades zu nutzen. Wie kann man sich das vorstellen ? 

Da bei einem Rad die Massen üblicherweise gleichmäßig verteilt sind und die Achse sich im Schwerpunkt befindet, wird es durch die Gravitation nicht bewegt. Die nach unten gerichteten Anziehungskräfte sind in diesem Fall auf der linken und rechten Radseite gleich groß und sorgen so für ein Gleichgewicht. Die beiden folgenden Zeichnungen stellen diesen Zustand durch die Massen M1 und M2 dar.

G1=G2

Auch die rechte Anordnung ist im Gleichgewicht, da sich die Achse im Schwerpunkt befindet. Bei einer Balkenwaage, die einem hier möglicherweise in den Sinn kommt, ist dies nicht so. Die Achse ist bei ihr absichtlich höher als der rot markierte Schwerpunkt angeordnet. Da Letzterer immer die tiefste Position einnehmen will, stellt sich der Balken bei einem Gleichgewicht automatisch waagrecht. Dieser Vorgang ist eine Folge des Hebelgesetzes. Nur in der Waagrechten sind bei der Balkenwaage beide Hebel gleich lang. Die rechte Skizze zeigt, dass eine Auslenkung zu einer Verlängerung des einen und zu einer Verkürzung des anderen Hebels führt. Das sorgt für den gewünschten Effekt.       

Wird nun, um bei unserem Rad zu bleiben, zum Beispiel bei M2 der Abstand zur Achse verändert, oder wird diese Masse vergrößert bzw. verkleinert, entsteht ein Ungleichgewicht. (Nachfolgend bei der linken Zeichnung durch den längeren Hebel, rechts durch die vergrößerte Masse.)    

 

G1<G2

Die auf das Rad einwirkenden Gravitationskräfte sind nun nicht mehr gleich und bewirken daher eine Drehung. Nach kurzer Zeit stellt sich jedoch ein neues Gleichgewicht ein.     

G=G1+G2

Das Rad hat sich demnach hier durch die Gravitation um 90° gedreht. Damit allein lässt sich in der Praxis jedoch noch nicht viel anfangen. Das Ziel besteht darin, ein ständig rotierendes Rad zu erhalten, mit dem man zum Beispiel einen Stromgenerator antreiben könnte.

Viele Hobbyerfinder beginnen mit ihren Versuchen am waagrechten Hebel. Dabei wird häufig übersehen, dass dieser für die Anwendung am Rad nur idealer Ausnahmefall ist. Die nächste Skizze veranschaulicht, dass ein am Rand angeordnetes Gewicht nur in der Waagrechten auf 100% Hebellänge wirkt. Wenn sich das Rad dreht, wird der Hebel schnell kürzer und damit die nutzbare Gravitationswirkung geringer. Dort, wo beim Experimentieren Massen zum Rand bewegt werden, um so das benötigte Ungleichgewicht zu erzeugen, führt diese Sache regelmäßig zur Ernüchterung.  

Auch macht sich das immer dann unangenehm bemerkbar, wenn die gedachte Gerade, auf der sich Gewicht und “Gegengewicht” befinden, nicht durch den Radmittelpunkt geht. Dieser Fall tritt beim Experimentieren öfter auf. Obwohl das linke Gewicht nur die Hälfte seiner möglichen Hebellänge nutzt, wird es nicht so weit wie erwartet angehoben, sondern das Rad kommt bei etwa 40% des waagrechten Hebels in einen stabilen Zustand.   

Wer also durch Hebelverlängerung einen Radantrieb realisieren will, muss zunächst einen Weg finden, um die Differenz zwischen der Länge des Kraftarms und der des Lastarms möglichst groß zu machen. Wie die folgende Skizze zeigt, geschieht dies zur optimalen Nutzung der Hebelwirkung (in der Theorie) dadurch, dass die Verlängerung des Kraftarms bei etwa 0° beginnt und bei 45° abgeschlossen ist. Die Verkürzung des Lastarms sollte bei 135° beginnen und bei etwa 180° beendet sein.  

Hier tun sich jedoch unüberwindlich erscheinende Schwierigkeiten auf. Wie sollen die rot gefärbten Gewichte gegen die nach unten gerichtete Kraft der Erdanziehung von selbiger Gravitation in Richtung der grünen Pfeile (zur Peripherie bzw. zum Radinneren hin) bewegt werden? Die äußeren Gewichte wären dazu nicht in der Lage, denn nach Abzug von Reibung und Luftwiderstand fällt ihre Bilanz negativ aus. Außerdem wird häufig übersehen, dass ein Gewicht, das ein anderes mittels eines Hebels anhebt, in dieser Zeit (fast) nichts zum Abtrieb seiner Radseite beitragen kann. Eine Lösung dieser Frage wäre das Ende der Suche nach ewiger Bewegung.

Wie am Anfang bereits ausgeführt, ist ein Rad stets im Gleichgewicht, wenn seine Massen gleichmäßig verteilt sind und sich seine Achse im Schwerpunkt befindet. Eine gravitationsbedingte Drehung setzt eine Störung dieses Gleichgewichts voraus. Erfolgt sie einmalig, nimmt der Teil des Rades mit der größten Masse alsbald die tiefste Stelle ein und sorgt so wieder für Stillstand. Soll das vermieden werden, muss die fragliche Masse immer wieder angehoben werden, um erneut ihre Wirkung zu entfalten. Diesen Vorgang nur mittels der Gravitation zu bewerkstelligen, scheint auf den ersten Blick unlösbar zu sein. Und doch muss Bessler einen Weg gefunden haben, mit dem genau das erreicht werden konnte.     

Grundsätzlich gilt, dass in einem Rad, das ausschließlich durch die Schwerkraft in eine endlose Drehung versetzt werden soll, ein ständiges oder mehrheitlich wiederkehrendes Ungleichgewicht herrschen muss. Da sich bei einer Rotation dauernd die Positionen verändern, (oben wird zu unten, rechts zu links usw.), muss dieses Ungleichgewicht fortwährend neu erschaffen werden. Im Rahmen der klassischen Mechanik gibt es (ohne Eingriffe von außen) dazu prinzipiell nur zwei Möglichkeiten:

1. Massen werden nur durch die Gravitationswirkung zyklisch so verlagert, dass der Radschwerpunkt
     sich immer wieder verändert und dabei nie den tiefsten Punkt einnimmt, und/oder
2. die Exzentrität des Rades wird durch fortlaufende Positionsveränderungen seiner Achse herbeigeführt.

Ein Beispiel für die Variante 2 ist das aus dem Physikunterricht bekannte Rad mit den Gummispeichen, das auf einer Seite durch einen heißen Luftstrom oder eine Infrarotlampe erwärmt wird. Dadurch verkürzen sich die erwärmten Speichen und ziehen die Achse ein Stück zu sich herüber. Diese ist dann nicht mehr im Schwerpunkt, was zu einem Ungleichgewicht und zu einer Drehung des Rades führt. Durch ständige Wärmezufuhr kann das Rad so dauernd in Bewegung gehalten werden. Dabei handelt sich jedoch um eine Einwirkung von außen, die außerdem einen hohen Energieaufwand erfordert.    

Die Schulphysik bestreitet, dass sich das im Sinne eines Gravitationsrades umsetzen lässt und behauptet, die Natur lasse einen derartigen Antrieb nicht zu. Dabei spricht sie von einem “Gesetz” und beruft sich darauf, dass es bisher noch nie gelungen sei, ein nur durch die Schwerkraft angetriebenes Rad zu entwickeln. Bessler, der das mit seiner Erfindung widerlegt hat, wird folgerichtig als Betrüger bezeichnet und bringt dieses Weltbild daher nicht durcheinander. Den kritischen Beobachter beschleicht jedoch der Verdacht, dass die Wahrheit sich hier dem Rechthaben unterordnen soll.  

Sicher ist die Schulphysik von der Richtigkeit ihrer Auffassung überzeugt und handelt insoweit nicht wider besseres Wissen. Man kann ihr jedoch vorwerfen, dass sie unaufrichtig argumentiert. Indem sie versucht, dieses vermeintliche Naturgesetz mit Argumenten zu stützen, die bei näherem Betrachten nicht haltbar sind, leistet sie der Sache (und sich selbst) einen Bärendienst. Fast immer wenn versucht wird, den guten Ruf einer Wissenschaft in die Waagschale zu werfen, um damit ganz persönliche und nicht beweisbare Überzeugungen zu transportieren, führt das am Ende zu einer Beschädigung der Reputation und damit zu einer Minderung der Glaubwürdigkeit in anderen Fragen.    

Bei seinen Bemühungen, das Ziel eines Gravitationsantriebs ungeachtet solcher Vorbehalte dennoch zu erreichen, zeichnet sich der damit befasste Mensch durch einen “Tunnelblick” aus. Er kommt in dieser Sache nicht voran, weil er sich ausschließlich damit beschäftigt, wie man Massen, die sich im Rad nach unten bewegt haben, mittels anderer (gleich großer) Massen wieder auf ihr Ursprungsniveau anheben könnte. Dieser Ansatz kann nicht erfolgreich sein, denn die bereits an anderer Stelle erörterten physikalischen Zwänge stehen ihm entgegen. Außerdem lässt er keinen Raum für die Freisetzung zusätzlicher Energie. Und nur darum geht es, denn ein “Perpetuum Mobile”, das nichts weiter könnte, als sich selbst endlos zu drehen, wäre für die Menschheit nutzlos. Das Herbeiführen eines Ungleichgewichts muss deshalb die Nutzbarmachung der Gravitation als Energielieferant zum Ziel haben, nicht die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands. Das Ziel ist also nicht ewige Bewegung, sondern ein Energieüberschuss, der für beliebige andere Zwecke genutzt werden kann.

Eine andere Herangehensweise schließt dennoch nicht aus, dass die beteiligten Massen zyklisch an ihren Ursprungsort zurückkehren können (oder sollen). Dies muss offenbar auf eine Weise erfolgen, die einerseits unkonventionell ist, andererseits aber die Regeln der klassischen Mechanik nicht verletzt. Unkonventionelles Vorgehen bedeutet also nicht, mittels der Metaphysik das Hebelgesetz außer Kraft zu setzen, physikalische Arbeit neu zu definieren oder zu unterstellen, dass der Output höher sein könnte als der Input. Der Verfasser ist davon überzeugt, dass Besslers Lösung “von dieser Welt” war und keines der bekannten Naturgesetze verletzte. Es ist allerdings zu vermuten, dass diese Lösung sich außerhalb der Realität “normalen” physikalischen Denkens bewegte. Sein unidirektionales Rad demonstrierte das eindrucksvoll, denn es war ständig im Ungleichgewicht und lief sofort selbst los, wenn die Bremse gelöst wurde. Damit war es der üblichen Vorstellung von einem “Perpetuum Mobile” sogar noch einen Schritt voraus. Bis dato glaubte man, dass zur Bewegung toter Materie zumindest ein Startimpuls nötig sei. Durch Leibniz und andere ist belegt, dass es dessen nicht bedurfte.

Bessler musste sich seinen Erfolg durch zehnjähriges Experimentieren hart erarbeiten. Diese extrem lange Zeit stützt die Annahme, dass man durch reines Nachdenken nicht auf die Lösung kommt, sondern dass der Zufall mithelfen muss, die richtige Anordnung und Bewegung der Massen im Rad durch Probieren herauszufinden. Besslers Verdienst wird dadurch aber nicht geschmälert. Bei den meisten Entdeckungen früherer Zeiten waren ebenfalls Zufälligkeiten im Spiel.